Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der Annahme ist die größte Gefahr für ambitionierte Sportler nicht das Training selbst, sondern die ignorierte Erschöpfung des Nervensystems.

  • Leistungsabfall ist oft ein Zeichen für hormonelle Dysbalance, nicht für mangelnden Einsatz.
  • Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist ein objektiverer Indikator für Regeneration als reines Muskelgefühl.

Empfehlung: Nutzen Sie bewusste Pausen zur „Leistungskalibrierung“, um langfristig stärker zu werden, anstatt in ein chronisches Defizit zu laufen.

Sie trainieren hart, diszipliniert und mit einem klaren Ziel vor Augen. Doch statt des erhofften Fortschritts stagnieren Ihre Leistungen, Sie fühlen sich müde und die Motivation sinkt. Viele ambitionierte Hobbysportler in Deutschland kennen dieses frustrierende Gefühl. Die erste Reaktion ist oft, das Trainingspensum weiter zu erhöhen – ein fataler Fehler, der direkt ins Übertraining führt. Die gängigen Ratschläge wie „Hör auf deinen Körper“ oder „Schlaf einfach mehr“ sind zwar gut gemeint, aber für Athleten, die an ihre Grenzen gehen, oft zu unspezifisch und nicht ausreichend.

Das Problem liegt tiefer. Übertraining ist kein Zeichen von Willensschwäche, sondern ein manifester Systemfehler des Körpers, eine ernstzunehmende neurophysiologische und hormonelle Dysbalance. Es ist ein Zustand, in dem die kumulierte Belastung die Regenerationsfähigkeit des Organismus systematisch übersteigt. Die wahren Alarmsignale sind oft leise und verstecken sich nicht nur im schmerzenden Muskel, sondern in subtilen Veränderungen des Nervensystems, des Schlafs und der allgemeinen Stimmung. Sie zu ignorieren, bedeutet, nicht nur die aktuelle Saison, sondern potenziell die langfristige Gesundheit zu gefährden.

Doch was, wenn die Lösung nicht darin liegt, einfach aufzuhören, sondern die Pausen strategisch als Teil des Fortschritts zu begreifen? Dieser Artikel durchbricht den Mythos, dass Pausen verlorene Zeit sind. Als Sportmediziner zeige ich Ihnen, wie Sie die Warnsignale eines echten Übertrainings von normaler Erschöpfung unterscheiden, die zugrunde liegenden Mechanismen verstehen und Ihre Regeneration so steuern, dass sie zum entscheidenden Faktor für Ihren nächsten Leistungssprung wird. Wir werden uns ansehen, wie Sie Ihren Zustand objektiv messen und wann eine sofortige Pause nicht nur notwendig, sondern die intelligenteste Entscheidung für Ihre sportliche Zukunft ist.

Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, wie Sie die komplexen Signale Ihres Körpers deuten und effektiv gegensteuern können, ist dieser Leitfaden in präzise, aufeinander aufbauende Abschnitte gegliedert. Das folgende Inhaltsverzeichnis führt Sie durch die zentralen Aspekte des Übertrainingssyndroms.

Inhaltsverzeichnis: Warnsignale für Übertraining – Ein Leitfaden für ambitionierte Athleten

Warum führt zu wenig Regeneration paradoxerweise zu Leistungsabbau?

Der menschliche Körper ist ein Meister der Anpassung. Jeder Trainingsreiz verursacht zunächst eine temporäre Ermüdung und einen Leistungsabfall. In der anschließenden Regenerationsphase repariert der Organismus nicht nur die beanspruchten Strukturen, sondern stärkt sie über das Ausgangsniveau hinaus. Dieses Prinzip, bekannt als Superkompensation, ist die biologische Grundlage jedes Trainingsfortschritts. Bereits 1895 legte der deutsche Anatom Wilhelm Roux mit seinem Reizschwellengesetz die wissenschaftliche Basis für dieses Verständnis: Nur in den Pausen kann der Körper sich an die Belastung adaptieren und stärker werden.

Der paradoxe Leistungsabfall tritt auf, wenn dieser Zyklus gestört wird. Setzt der nächste Trainingsreiz zu früh ein – also bevor die Superkompensation abgeschlossen ist – wird die Erholungskurve unterbrochen. Statt auf einem höheren Niveau neu aufzubauen, startet der Körper aus einem Defizit. Wiederholt sich dieser Prozess, kumuliert sich das Defizit. Die Folge ist kein Fortschritt, sondern ein systematischer Abbau der Leistungsfähigkeit. Der Körper hat keine Chance mehr, seine Energiespeicher aufzufüllen, das Nervensystem zu beruhigen und hormonelle Gleichgewichte wiederherzustellen.

Für die Praxis bedeutet das: Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der maximalen Belastung, sondern im optimalen Timing der Erholung. Während Profisportler ihre Zyklen auf den Tag genau planen, hat sich für Freizeitsportler eine Erholungszeit von etwa 3 Tagen nach einer intensiven Einheit als verlässlicher Richtwert etabliert. Wer dieses grundlegende biologische Gesetz missachtet, trainiert sich nicht zu neuen Bestleistungen, sondern geradewegs in eine Sackgasse der Stagnation und Erschöpfung – ein klassischer „Systemfehler“ in der Trainingssteuerung.

Wie messen Sie Ihren Regenerationsstatus ohne teure Diagnostik?

Die Aufforderung „Hör auf deinen Körper“ ist oft unzureichend, weil subjektive Müdigkeit und Ehrgeiz sich gegenseitig überlagern. Eine deutlich objektivere und für Hobbysportler zugängliche Methode zur Messung der Regeneration ist die Herzfrequenzvariabilität (HRV). Die HRV misst die winzigen, unregelmäßigen Zeitabstände zwischen zwei Herzschlägen und ist ein direkter Indikator für den Zustand Ihres autonomen Nervensystems. Eine hohe HRV deutet auf einen entspannten, erholten Zustand (Dominanz des Parasympathikus) hin, während eine niedrige HRV auf Stress und unzureichende Regeneration (Dominanz des Sympathikus) hinweist – ein klares Anzeichen für eine Nervensystem-Ermüdung.

Die Messung ist heute denkbar einfach und erfordert keine teure Laborausrüstung. Sie benötigen lediglich zwei Dinge: einen Bluetooth-Brustgurt, der die Herzfrequenz millisekundengenau erfasst, und eine entsprechende Smartphone-App. Die Messung erfolgt idealerweise morgens direkt nach dem Aufwachen für etwa 4 bis 8 Minuten in Ruhe. Moderne Apps analysieren die Daten und liefern einen leicht verständlichen Regenerations-Score, oft in einem Ampelsystem (grün, gelb, rot), das auf wissenschaftlichen Normwerten basiert. So können Sie Ihr Training objektiv steuern: Ein grüner Wert gibt grünes Licht für eine intensive Einheit, während ein gelber oder roter Wert zu einer reduzierten Belastung oder einem Ruhetag mahnt.

Sportler misst seine Herzfrequenzvariabilität mit Smartphone und Brustgurt

Wie die Abbildung zeigt, wird so aus einem vagen Gefühl eine messbare Größe. Die regelmäßige HRV-Messung ermöglicht es Ihnen, die ersten Anzeichen eines Übertrainings zu erkennen, lange bevor sich gravierende Symptome manifestieren. Sie verwandeln die Regeneration von einer passiven Hoffnung in einen aktiv gesteuerten Prozess und kalibrieren Ihre Leistung auf Basis von Daten, nicht von Vermutungen.

Muskelkater oder Übertraining: Wie erkennen Sie den kritischen Unterschied?

Ein Ziehen im Oberschenkel nach einem harten Lauftraining oder schmerzende Arme nach dem Kraftsport – das kennt jeder Athlet. Normaler Muskelkater ist ein Zeichen für eine erfolgte Belastung und Reparaturprozesse in der Muskulatur. Doch wann kippt dieser harmlose Schmerz in ein Alarmsignal für systemische Überlastung? Die Unterscheidung ist für die Prävention von Übertraining absolut entscheidend. Während Muskelkater ein lokales Phänomen ist, handelt es sich beim Übertraining um einen Zustand, der den gesamten Körper betrifft.

Der deutlichste Unterschied liegt in der Dauer und den Begleiterscheinungen. Ein gewöhnlicher Muskelkater erreicht seinen Höhepunkt nach 24 bis 48 Stunden und klingt innerhalb weniger Tage vollständig ab. Die Schmerzen bei Übertraining sind hingegen hartnäckig und können selbst nach längeren Pausen bestehen bleiben. Viel wichtiger sind jedoch die systemischen Symptome, die weit über den Muskel hinausgehen. Dazu gehören anhaltende Müdigkeit, Schlafstörungen, eine erhöhte Infektanfälligkeit und ein unerklärlicher Leistungsabfall. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zusammen.

Unterscheidung zwischen normalem Muskelkater und Übertraining
Kriterium Muskelkater Übertraining
Dauer 3-8 Tage nach Verletzung von Muskelfasern Auch nach 2-3 Wochen Regeneration noch nachweisbar
Schmerzart Lokal begrenzt, Ziehen/Brennen Systemische Schmerzen, die Beweglichkeit beeinträchtigen
Begleitsymptome Keine Schlafstörungen, geschwächte Immunabwehr, häufige Erkältungen
Leistung Temporär eingeschränkt Verzögerte Reaktion, verminderte Aufmerksamkeit, Entscheidungsschwierigkeiten

Wer diese systemischen Warnsignale ignoriert und weitertrainiert, riskiert einen tiefgreifenden Erschöpfungszustand, dessen Behebung Geduld erfordert. Wie Experten der Sportmedizin betonen, ist die Konsequenz oft gravierend:

In der Regel ist eine mehrwöchige, wenn nicht sogar mehrere Monate dauernde Trainingspause notwendig, bis sich der Körper vom Übertraining vollständig erholt hat.

– Sportmedizinische Forschung, Nike DE – Übertraining Symptome und Vermeidung

Die mentale Falle, die 6 von 10 ambitionierten Sportlern ins Übertraining treibt

Sport und Fitness boomen in Deutschland. Laut Studien treiben rund 62 % der Bevölkerung mindestens einmal pro Woche Sport, angetrieben vom Wunsch nach Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Doch in dieser Begeisterung lauert eine psychologische Gefahr: die mentale Falle des ständigen Vergleichs und des externen Leistungsdrucks, befeuert durch die digitale Welt. Der Körper sendet klare Signale der Erschöpfung, aber der Geist zwingt ihn, weiterzumachen – aus Angst, den Anschluss zu verlieren oder den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen.

Eine Studie zu Fitness-Typen in Deutschland identifizierte eine besorgniserregende neue Gruppe: den „Fit2Share“-Typus. Für diese Sportler (immerhin 18 % der Befragten) ist die sportliche Betätigung untrennbar mit der digitalen Selbstdarstellung verbunden. Der Spaß am Sport tritt in den Hintergrund; nur 45 % dieser Gruppe gaben an, Freude an der Bewegung zu haben, verglichen mit 79 % in der Gesamtbevölkerung. Die primäre Motivation ist, Aufmerksamkeit zu erregen und sportliche Erfolge zwanghaft mit einer Online-Community zu teilen. Dieses Verhalten schafft einen enormen Druck, Trainingspläne ohne Rücksicht auf die körperliche Verfassung durchzuziehen.

Sportler unter Druck durch soziale Medien und digitale Vergleiche

Diese mentale Falle führt dazu, dass die innere Stimme, die zur Pause rät, von den lauten Rufen nach digitaler Anerkennung übertönt wird. Der Sportler befindet sich in einem Teufelskreis: Die Erschöpfung führt zu Leistungsstagnation, was den Druck erhöht, noch härter zu trainieren, um den vermeintlichen Leistungsabfall zu kompensieren. Dies beschleunigt den Weg ins Übertraining. Der erste Schritt aus dieser Falle ist die ehrliche Selbstanalyse: Trainiere ich für mein Wohlbefinden oder für die Bestätigung durch andere?

Wann sollten Sie eine sofortige Trainingspause einlegen?

Es gibt einen Punkt, an dem „hartes Training“ in „selbstzerstörerisches Verhalten“ übergeht. An diesem Punkt ist eine sofortige und unmissverständliche Trainingspause nicht mehr verhandelbar. Es geht nicht mehr um die Optimierung der Superkompensation, sondern um die Abwendung von ernsthaftem gesundheitlichem Schaden. Als Sportmediziner rate ich dringend, auf die folgenden absoluten Warnsignale zu achten. Wenn Sie drei oder mehr dieser Symptome bei sich feststellen, ist es Zeit für eine Zwangspause.

Diese roten Flaggen signalisieren, dass Ihr Körper nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu regulieren. Ihr Nervensystem und Ihr Hormonhaushalt sind in einer tiefen Dysbalance. Das Ignorieren dieser Signale ist grob fahrlässig. Die wichtigsten absoluten Alarmsignale sind:

  • Veränderte Herzfrequenz: Sowohl der Ruhe- als auch der Belastungspuls sind chronisch erhöht, während der Maximalpuls bei Anstrengung nicht mehr erreicht wird.
  • Anhaltender Leistungsabfall: Trotz fortgesetzten Trainings nimmt die Leistung ab und erholt sich auch nach mehreren Ruhetagen nicht.
  • Schlafstörungen und Kopfschmerzen: Sie haben Schwierigkeiten beim Einschlafen, wachen nachts häufig auf oder leiden unter unerklärlichen Kopfschmerzen.
  • Erhöhte Anfälligkeit: Sie werden ständig krank (häufige Erkältungen, Infekte) oder ziehen sich vermehrt kleine Verletzungen zu.

In einer solchen Situation zu versuchen, sich mit noch mehr Training oder gar leistungssteigernden Mitteln durchzubeißen, ist der falscheste Weg. Wie Mediziner betonen, ist dies ein gefährlicher Trugschluss:

Fälschlicherweise wird auch im Freizeitsport immer wieder versucht, Übertraining durch Arzneimittelmissbrauch oder Doping zu kompensieren. Bei manifestem Übertraining ist eine Belastungspause obligat.

– Wikipedia Medizinredaktion, Wikipedia – Übertraining

Warum stagnieren 70% der Hobbysportler trotz intensivem Training?

Die Gleichung „mehr Training = mehr Leistung“ ist eine trügerische Vereinfachung, die viele ambitionierte Sportler in die Stagnationsfalle lockt. Der Hauptgrund, warum die Fortschritte ausbleiben, liegt oft nicht am mangelnden Einsatz, sondern an einem fundamentalen Missverständnis der Regenerationszyklen. Wie wir bereits gesehen haben, findet die eigentliche Leistungssteigerung in der Pause statt. Wenn das Training zu intensiv ist oder die Erholungsphasen zu kurz sind, kann der Körper die gesetzten Reize nicht in einen Zuwachs an Stärke oder Ausdauer umwandeln. Das Ergebnis ist ein Plateau oder sogar ein Leistungsabfall, obwohl der gefühlte Aufwand enorm ist.

Ein weiterer, oft übersehener Faktor ist der Zeitaufwand, der über das reine Training hinausgeht. Der Sportmediziner Dr. Matthias Marquardt weist darauf hin, dass insbesondere bei häufigen, kürzeren Einheiten die sogenannte „Rüstzeit“ – also die Zeit für Anfahrt, Umziehen, Duschen und Rückfahrt – erheblich ins Gewicht fällt. Zweimal am Tag kurz zu trainieren, kann durch die doppelte Rüstzeit zeitaufwändiger sein als eine längere, fokussierte Einheit. Diese „verlorene“ Zeit fehlt oft an anderer Stelle, meist bei der Regeneration, der Essenszubereitung oder dem Schlaf.

Der Stillstand ist also ein direktes Resultat eines falschen Timings der Trainingsreize. Entweder wird der nächste Reiz gesetzt, bevor die Superkompensation abgeschlossen ist, oder die Gesamtbelastung durch Training, Beruf und Alltag ist so hoch, dass der Körper permanent in einem Erschöpfungszustand verharrt. Die Lösung liegt nicht darin, härter, sondern intelligenter zu trainieren. Das bedeutet, die Intensität gezielt zu steuern und den Regenerationsphasen den gleichen strategischen Stellenwert einzuräumen wie den Trainingseinheiten selbst.

Die 3 stillen Vitalitätskiller, die 90% der Berufstätigen ab 40 übersehen

Für viele berufstätige Hobbysportler, insbesondere ab 40, wird der Alltag selbst zum größten Gegenspieler der sportlichen Regeneration. Neben dem Training gibt es drei unscheinbare Faktoren, die die Erholung systematisch sabotieren und die Vitalität untergraben. Diese „stillen Killer“ werden oft übersehen, weil sie als normaler Teil des modernen Lebens akzeptiert werden. Egal ob Sie zu den 42 % der Deutschen gehören, die Rad fahren, oder zu den 37 %, die regelmäßig joggen – diese Faktoren beeinträchtigen Ihre Fähigkeit, sich von der Belastung zu erholen.

Der erste und wohl mächtigste Killer ist chronischer Stress. Ein anspruchsvoller Job, familiäre Verpflichtungen und der ständige Druck, erreichbar zu sein, versetzen das Nervensystem in einen permanenten Alarmzustand. Wie die Krankenkasse BARMER hervorhebt, führt ein Ungleichgewicht zwischen Belastung und Erholung zu einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit. Der Körper unterscheidet nicht, ob der Stress vom Intervalltraining oder von einer nahenden Deadline im Büro kommt – die physiologische Reaktion ist dieselbe: die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol, die in hohen Dosen katabol (muskelabbauend) wirken und die Regeneration hemmen.

Der zweite Killer ist kritischer Schlafmangel. Im Schlaf finden die entscheidenden Reparatur- und Aufbauprozesse statt. Wachstumshormone werden ausgeschüttet, das Immunsystem regeneriert und das Gehirn verarbeitet die Erlebnisse des Tages. Bei vielen ambitionierten Sportlern kommt der Schlaf jedoch zu kurz, weil der Tag für Arbeit, Familie und Training einfach nicht genug Stunden hat. Weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht beeinträchtigen nachweislich die kognitive Funktion, die Reaktionszeit und die Fähigkeit des Körpers, sich von sportlicher Belastung zu erholen. Typische Folgen, wie schwere Beine oder Energielosigkeit, werden oft fälschlicherweise auf das Training geschoben, obwohl sie in Wahrheit ein Symptom von Schlafmangel sind.

Der dritte Killer ist eine unzureichende oder falsche Ernährung. Nach dem Training benötigt der Körper hochwertige Proteine zur Muskelreparatur und komplexe Kohlenhydrate, um die geleerten Glykogenspeicher wieder aufzufüllen. Schnelle, verarbeitete Mahlzeiten, zu wenig Flüssigkeit oder ein Mangel an essenziellen Mikronährstoffen (wie Magnesium oder Zink) können die Regenerationsprozesse erheblich verlangsamen und Entzündungen im Körper fördern. Eine gute Regeneration beginnt auf dem Teller.

Das Wichtigste in Kürze

  • Leistungsstagnation ist selten ein Trainings-, sondern meist ein Regenerationsproblem.
  • Messen Sie Ihre Regeneration objektiv (z.B. mit HRV), statt sich nur auf Ihr Muskelgefühl zu verlassen.
  • Eine geplante Trainingspause ist eine Investition in zukünftige Leistung, kein Eingeständnis von Schwäche.

Wie verdoppeln Hobbysportler ihre Fortschritte durch aktive Regeneration?

Der größte Denkfehler vieler Athleten ist, Regeneration mit völliger Inaktivität gleichzusetzen. Auf dem Sofa zu liegen, hat seine Berechtigung, aber die wirkungsvollste Methode, um die Erholung zu beschleunigen und Fortschritte zu maximieren, ist die aktive Regeneration. Darunter versteht man leichte körperliche Betätigung bei sehr niedriger Intensität. Das Ziel ist nicht, einen neuen Trainingsreiz zu setzen, sondern die Durchblutung zu fördern und den Stoffwechsel sanft anzukurbeln. Dadurch können Stoffwechselabfallprodukte wie Laktat schneller aus der Muskulatur abtransportiert und Nährstoffe effizienter zu den Zellen transportiert werden. Typische Beispiele sind ein lockerer Spaziergang, gemütliches Radfahren, Schwimmen oder ruhiges Dehnen und Yoga.

Aktive Regeneration durch Waldspaziergang in typisch deutscher Landschaft

Die strategische Brillanz der aktiven Regeneration liegt darin, dass sie die unterschiedlichen Erholungszeiten verschiedener Körperstrukturen berücksichtigt. Während sich die Muskulatur und die Energiespeicher relativ schnell erholen, benötigen passive Strukturen wie Bänder, Sehnen und Knorpel deutlich länger. Diese Gewebe sind „bradytroph“, das heißt, sie haben einen langsameren Stoffwechsel. Eine intensive Trainingseinheit, die die Muskulatur bereits wieder verkraften könnte, wäre für die Sehnen noch eine Überlastung. Aktive Regeneration hingegen fördert die Durchblutung und damit die Nährstoffversorgung dieser langsam heilenden Strukturen, ohne sie mechanisch zu überfordern.

Regenerationszeiten verschiedener Körperstrukturen
Struktur Regenerationszeit Besonderheit
Muskulatur 3-8 Tage nach Verletzung Je nach Schwere der Mikrotraumen
Energiespeicher Ca. 3 Tage bei Freizeitsportlern Kohlenhydrate direkt nach Training wichtig
Bänder/Sehnen Deutlich länger (bradytroph) Langsamer Stoffwechsel, verzögerte Superkompensation

Indem Sie aktive Regenerationstage fest in Ihren Trainingsplan integrieren (z. B. am Tag nach einer sehr intensiven Einheit), verwandeln Sie „freie“ Tage in produktive Erholungsphasen. Sie führen eine bewusste „Leistungskalibrierung“ durch, bei der Sie dem gesamten System – nicht nur den Muskeln – die Zeit geben, die es braucht, um stärker zu werden.

Ihr Aktionsplan: Den eigenen Regenerationsstatus überprüfen

  1. Signale erfassen: Führen Sie eine Woche lang ein Trainingstagebuch. Notieren Sie Puls (Ruhe/Belastung), Schlafqualität und allgemeines Energielevel.
  2. Symptome abgleichen: Vergleichen Sie Ihre Notizen mit den Warnsignalen aus diesem Artikel. Gibt es mehr als zwei Übereinstimmungen?
  3. HRV-Messung initialisieren: Beginnen Sie mit einer einfachen morgendlichen HRV-Messung für 7 Tage, um einen Basiswert zu ermitteln.
  4. Mentale Treiber identifizieren: Fragen Sie sich ehrlich: Trainiere ich für die Freude oder für externe Anerkennung (z.B. Social Media)?
  5. Pausen planen: Planen Sie proaktiv eine „Deload“-Woche oder 3 volle Ruhetage im nächsten Monat ein – als Test, nicht als Strafe.

Die praktische Umsetzung entscheidet über den Erfolg. Die Integration dieser aktiven Methoden in den Alltag macht aus gutem Training exzellentes Training.

Beginnen Sie noch heute damit, diese Signale ernst zu nehmen, und verwandeln Sie Ihre nächste Pause in den größten Fortschritt Ihrer sportlichen Laufbahn.

Häufig gestellte Fragen zu Wie erkennen Hobbysportler die Warnsignale von Übertraining rechtzeitig?

Warum ist Schlafmangel bei Hobbysportlern so kritisch?

Schlaf ist eine der am meisten unterschätzten Regenerationsmassnahmen. Bei vielen ambitionierten Hobbysportlern kommt der Schlaf zu kurz, weil der Tag nur 24 Stunden hat und neben Arbeit und Verpflichtungen noch das Training seinen Platz finden muss.

Wie wirkt sich chronischer Stress auf die Regeneration aus?

Ein Ungleichgewicht zwischen sportlicher Belastung und Regenerationszeit führt zu chronisch intensivem Training und Überlastungszuständen. Die sportliche Leistungsfähigkeit ist infolgedessen oft eingeschränkt.

Welche Warnsignale deuten auf Überbelastung hin?

Typische Symptome sind schwere Beine, Energielosigkeit und verringerte Leistungsfähigkeit mit schneller Ermüdung. Zudem können Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und sogar depressive Verstimmungen die Folge sein.

Geschrieben von Julia Schneider, Dr. Julia Schneider ist Fachärztin für Innere Medizin und Ernährungsmedizin mit 16 Jahren klinischer und präventivmedizinischer Erfahrung. Sie leitet eine Privatpraxis für Präventivmedizin in München und ist zertifizierte Ernährungsberaterin nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).